Aus den Aufzeichnungen von Martin Jung, erster 1. Vorsitzender der FSG Siegen und maßgeblicher Initiator des Geländes

Vor dem zweiten Weltkrieg bestand auf dem Rosterberg in Siegen ein Licht- und Luftgelände des Prießnitz-Kneipp-Vereins, Nacktbaden nur nach Geschlechtern getrennt.

Nach der Währungsreform setzte ein Neubeginn der vor dem Krieg bzw. der Nazizeit (unter Hitler verbotenen) bestehenden FKK-Vereine ein.

Im August 1949 Gründung des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur durch Karl Willi Damm, Kassel.  Angeregt durch die Pressenotiz hierüber melden sich auch etliche Siegerländer Familien bei Karl Willi Damm.  Es folgt die Gründung des ersten Siegerländer FKK-Vereins als Untergruppe Siegen des BffL Kassel (Bund für freie Lebensgestaltung), mit deren Leitung Karl Joachim Jeshel betraut wird.  Karl Joachim Jeshel war zu diesem Zeitpunkt in Siegen als Verkäufer bei einer Firma in der Sandstrasse tätig. Am 1.8.49 fing ich wieder bei den Hüttenwerken Siegerland in der Hindenburgstrasse in Siegen an. 

Damals noch in Littfeld wohnend, blieb nach Dienstschluß bis zur Abfahrt des Zuges noch viel Zeit, die ich dazu nutzte, in den Auslagen des Zeitschriftenkiosk am Bahnhofseingang zu stöbern, vor allem in den vielen FKK-Zeitschriften, die 1949/50 noch offen ausgelegt werden durften. Die in vielen dieser Hefte vertretenen Ziele stimmten doch auch mit meinen Vorstellungen überein.

Das veranlaßte mich, Karl Willi Damm in Kassel anzuschreiben, um Mitglied dieser Bewegung zu werden.  Unter der Mitgliedsnummer  81 wurde ich Mitglied des BffL Kassel, UG Siegen, nach deren Gründung des ersten Siegerländer FKK-Vereins.  Da unsere Arbeitsstätten nicht weit auseinanderlagen, traf ich mich häufig in den Mittagspausen mit K. J. Jeshel, erhielt von ihm die DFK Monatshefte und er berichtete mir über die Probleme in der UG Siegen des BffL. 

Meine Enttäuschung war zunächst sehr groß.  Statt eine harmonische Gemeinschaft mit Gleichgesinnten hier vorzufinden, mußte ich erfahren, daß er häufig anonyme üble Beschimpfungen, ja sogar Morddrohungen erhielt, ja zum großen Teil von Ehefrauen der Mitglieder (!!!).  Kein Wunder, daß außer der Gründungsversammlung keine Zusammenkünfte und gemeinschaftlichen Unternehmungen geplant werden konnten. 

Ende 1952 oder Anfang 1953 eröffnete mir K. J. Jeshel, daß er sein "Strohwitwerdasein" in Siegen beenden und wieder zu seiner Familie nach Goslar zurück wollte.  Er übergab mir einen Schnellhefter mit Schriftwechsel von Interessenten und Mitgliedern mit der Bitte, zu versuchen, die Siegener Gruppe weiterzuführen, Mitglieder, von denen ich kaum einen kannte.  Und das auch noch als "unbeweibter“ Junggeselle.

1954: Pacht eines Wiesengrundstückes im Buchhellertal/Gemeinde Lippe bei Burbach.  Erneuerung des Pachtvertrages auf Einspruch des Jagdpächters für 1955 nicht mehr möglich. (s. Bericht "25 Jahre FKK im Siegerland")

ab 1955 besteht das Vereinsleben hauptsächlich aus Diavorträgen im Winterhalbjahr und im Sommer in Besuchen anderer Gelände, insbesondere in Köln-Kleineichen und Gießen - sowie in der Suche nach geeigneten Grundstücken für ein FKK-Gelände.Aber alle angebotenen Grundstücke werden von den Mitgliedern abgelehnt, dem einen sind sie zu nah, weil man befürchtet, daß die Mitgliedschaft im BffL bei Nachbarn und Arbeitskollegen publik wird - und den anderen sind sie - aus Kostengründen - zu weit.

Nur noch einmal wollen alle mitmachen, als wir eine mit einer dichten Fichtenhecke eingefriedete Obstplantage in der Nähe von Siegen von der Haubergsgenossenschaft Eisern pachtweise angeboten bekam. Doch als man den wahren Grund unserer Pacht, nämlich FKK, erfährt, ist es aus damit! Zugleich auch ein "gefundenes Fressen" für die örtliche Presse!

Mir ist klar, daß wir so nie zu einem Gelände kommen werden, einmal, weil ein großer Teil der Mitglieder in Wirklichkeit nicht bereit ist, am Aufbau eines Geländes mit Hand anzulegen, zum anderen, weil sie auch nicht bereit sind, dem Verein ohne Gelände die nötigen Mittel, die nun einmal zum Kauf eines Grundstückes oder gar eines "fast fertigen" Geländes erforderlich sind, zu gewähren.  Bei einem Monatsbeitrag von DM 1,- bzw. später DM 1,50 ist eine Rücklagenbildung für einen Grundstückskauf nicht möglich.  Und eine Pacht eines Grundstücks kam hier nach den bisherigen Erfahrungen auch nicht in Frage.

Diese Situation führt meinerseits zu Meinungsverschiedenheiten mit Bernd Wessling, der nun die Geländesuche aufgeben will zugunsten eines "bessersituierten Briefkastenvereins" im DFK, um die Gastfreundschaft anderer DFK-Vereine ausnutzen zu können.  Allerdings findet er in der Mitgliederversammlung keine Mehrheit für seine Bestrebungen und tritt deshalb zurück. - Aber auch mein Antrag auf Beitragserhöhung zwecks Rücklagenbildung wird abgelehnt.  Siegfried Vogt, Niederheuslingen übernimmt für ein Jahr den Vorsitz, aber auch er resigniert, anschließend Ulrich Klegin bis Anfang 1967, während ich seit der Vereinsgründung bis zur JHV 1967 noch nach wie vor zum Kassierer gewählt wurde und mehr oder weniger "Mädchen für alles" spiele.

Auf der JHV Anfang 1967 kommt es nach dem Rücktritt des gesamten Vorstandes zu einem Eklat, die Versammlung geht auseinander, ohne einen Vorstand gewählt zu haben.

Mit Ulrich Klegin hatte ich 1967 die Umgebung von Lützeln erkundet, weil wir glaubten, in den stillgelegten Steinbrüchen oberhalb unseres jetzigen Geländes ein für unsere Zwecke geeignetes Grundstück zu finden.  Besitzer: Haubergsgenossenschaft Lützeln, Haubergsvorsteher Emil Krombach in Lützeln.  Ihn suchten wir auf, erfuhren dann aber, daß die Haubergsgenossenschaft das Gelände langfristig an die Eiserfelder Steinwerke verpachtet habe.  Pacht, erst recht Kauf, aussichtslos.

Ein Jahr später, im Mai 1967, teilte mir Emil Krombach mit, daß er privat ein kleines Bruchwaldstück (sumpfiges Erlenwaldstück) verkaufen wollte.  Ich fuhr am Wochenende sofort hin, bei der gemeinsamen Besichtigung sagte ich ihm, ich wäre schon interessiert, aber nur, wenn ich auch die restlichen Parzellen bis zum Waldrand kaufen könnte, da ich einen Teich auf diesen Parzellen anlegen möchte und deshalb auch das Wasser des am Waldrand verlaufenden Baches benötige.

Es waren allerdings alles sehr versumpfte Grundstücke und ein großes Problem, diese überhaupt trocken zu bekommen , aber bei einem Preis von 75 bis 85 Pf. pro m2 eine einmalige Chance.  Trockene, landwirtschaftlich nutzbare Grundstücke konnten wir ohnehin nicht kaufen, da die "Rote Erde" in jedem Falle die Genehmigung dazu erteilen mußte und in jeden Kaufvertrag einsteigen konnte, um solche Grundstücke für landwirtschaftliche Zwecke (Erbhofbauern) zu erwerben.

Außerdem konnte ich diesmal handeln, brauchte keinen zu fragen, da der BffL(nicht e.V.) seit der JHV 67 ohne Vorstand und in der Praxis nur noch auf dem Papier bestand.

1968

BffL-Mitglieder sind größtenteils nicht bereit, anstelle der nicht geleisteten Arbeitsstunden DM 60.- als Geländebeitrag zu zahlen, andererseits aber muß befürchtet werden, daß sie das Gelände ebenso wie die aktiven Mitglieder später nutzen wollen.  Schlage deshalb vor, einen Verein im Verein zu gründen, die Familiensportgemeinschaft e.V. im BffLSiegen, um in diesem, dem eingetragenen Verein, die aktiven Mitglieder und die Grundstücke zu integrieren.

1969

Mein Vorschlag wird auf der JHV  angenommen, mit dem Zusatz, daß alle Mitglieder der Familiensportgemeinschaft e.V. automatisch auch BffLMitglieder sein müssen.  Grundbeitrag BffL-Beitrag, für die FSG die zusätzlichen Beiträge.  Gründung der Familiensportgemeinschaft e.V., Vorsitzender Martin Jung, zugleich Kassierer im BffL. 1. Vorsitzender im BffL. bleibt Bernhard Wessling.

Satzung für die FSG erstellt, Eintrag ins Vereinsregister, unmittelbar Gemeinnützigkeit erreicht.

Aushub des Badeteiches, Anlage der Liegewiesen, Sichtschutzwall zur Dorfseite, mit Anpflanzung von Pappeln und Weiden usw., Einzäunung des Geländes.

1970/71

Die großen Fortschritte auf dem Gelände bringen der FSG einen stetigen Mlitgliederzuwachs, es sind jetzt mehr aktive als passive BffL-Mitglieder.  Ein Mitglied aus Siegen, in Lenste einem DFK-Verein angehörend, möchte Mitglied in der FSG, nicht aber im BffL werden, da es die passive Mitgliedschaft in Lenste aufrecht erhalten möchte.  Nach unserer Satzung nicht möglich, beantrage daher auf der gemeinschaftlichen JHV des BffL und der FSG eine entsprechende Satzungsänderung, entgegen dem Willen von Bernd Wessling.  Die Satzungsänderung wird mit großer Mehrheit von der Mitgliederversammlung akzeptiert, führt aber zu erheblichen Spannungen mit Bernd Wessling.

Da es so nicht weitergehen kann, schlage ich ihm vor, den BffL aufzulösen und dessen Mitglieder als "passive Mitglieder" der FSG e.V. zu übernehmen zu den bisherigen Beitragssätzen und Bedingungen, da diese ohnehin nur an einem DFK-Mitgliedsausweis interessiert sind.  Sollten diese „passiven Mitglieder" der FSG dann unser Gelände besuchen, zahlen sie eine Tagesgebühr wie Mitglieder anderer DFK-Vereine.  Und Bernd würden wir dann als Ehrenvorsitzenden der FSG übernehmen und damit seinem Wunsch auf Repräsentation des Vereins entgegenkommen mit Stimmrecht im Vorstand usw...

Im Einverständnis mit Bernd Wessling lasse ich allen Mitgliedern schriftlich meinen ausführlich begründeten Vorschlag und seine, diesen Vorschlag ablehnende Haltung zur Abstimmung zukommen .

Auf der Jahreshauptversammlung werden die Briefe geöffnet: fast 90 % der BffL-Mitglieder stimmen meinem Vorschlag zu, der BffLSiegen ist damit aufgelöst.  Nach notarieller Umschreibung der Grundstücke wurde 1972 Bernd Weßling Ehrenpräsident der FSG Siegen.

Die ersten Wohnwagen stehen auf dem Gelände - Entwässerung des Geländes durch einen 2,5 - 3 m tiefen Entwässerungsgraben.

1973 Volleyballplatz asphaltiert, Baugenehmigung für Gelände erteilt

1974:  Anschluß an die Gemeindewasserleitung, Bau der 4- Kammer-Kläranlage und Baubeginn des Sanitärgebäudes

1975 Anschluß an das Stromnetz

1978 erstes Volleyballturnier im Rahmen des Landesverbandes auf unserem Gelände und Sportfest.

(etwas redigiert von Gisela Mehren, um persönliche Anmerkungen von Martin Jung herauszunehmen - Namen, Datenschutz etc.)

Alle Texte aus der Broschüre zum 25. Jubiläum der FSG Siegen - datiert von 1995 - 1996

FSG Siegen 25 Jahre als eingetragener Verein mit Gelände in Burbach-Lützeln

Vorwort zur Festschrift der FSG Siegen zum 25-jährigen Jubiläum des FKK-Geländes in Burbach-Lützeln von Gisela Mehren

Dort, wo die Bundesrepublik Deutschland in etwa ihre geographische Mitte hat, im Siegerland mit der Stadt Siegen als ihrem Zentrum, wies die FKK-Landkarte lange Zeit einen weißen Fleck auf.  Nichtsdestoweniger können die organisierten FKK-Freunde im Siegerland in diesem Jahr auf ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte zurückblicken. Denn zwischen Vereinsgründung und Erwerb eines vereinseigenen Geländes als dem Ausdruck eines geordneten FKK-Lebens vergingen nicht weniger als 14 Jahre. 

Nicht, daß es den Siegerländer FKK-Freunden der ersten Stunde an Tatkraft, Ideen und Idealismus gefehlt hätte - die Mentalität der heimischen Bevölkerung mit ihrer calivinistisch-pietistisch geprägten Gesinnung und das in diesem Landstrich stark vertretene Sektenwesen bildeten nebst den üblichen Problemen äußert sperrige Hindernisse; Schwierigkeiten, wie sie bei Gründung und Ausbau eines FKK-Vereine ansonsten wohl nicht die Norm waren.  Mit so etwas "Schweinischem" wollte man im Siegerland in den 50er Jahren nichts zu tun haben.

All diesen Widrigkeiten zum Trotz mauserte sich die FSG Siegen im Laufe der Jahre zu einem Verein, der sich heute samt seinem Gelände nicht zu verstecken braucht.  In einer ruhigen ländlichen Umgebung, umgeben von Wäldern und Wiesen, etwa 20 km südlich von Siegen, nahe dem Dorf Lützeln (Gemeinde 5907 Burbach) verfügt der Verein heute über ein 32000 qm großes Gelände mit Anschluß an das Strom- und Wassernetz. 

Ein in Massivbauweise errichtetes Haus mit gekachelten Warm- und Kaltwasser-Duschen und Toiletten dient den sanitären Bedürfnissen.  Im Untergeschoß des Gebäudes befindet sich ein wohnlich gestalteter Raum, der sowohl für Versammlungen als auch nette Geselligkeit nutzbar ist.  Ein mit einer Bitumendecke versehener Volleyball-Platz, ein Badminton-Platz und eine Tischtennis-Anlage bieten Gelegenheit für körperliche Ertüchtigung außerhalb des Wassers.

Wer im Wasser seine Freude suchen will, dem stehen ein kleines Rundschwimmbecken und ein gepflegter, sauberer Naturbadeweiher in der Größe von etwa 13 x 22 Metern zur Verfügung, der aber noch in diesem Jahr zu einem Schwimmbad umgestaltet wird. 49 Stellplätze für Wohnwagen, Zeltplätze, ein Parkplatz für Gäste-PKW und zwei vor allem wegen ihrer windgeschützten Lage sehr geschätzte Liegewiesen tragen zur weiteren Behaglichkeit auf dem Gelände bei.

Heute gehören rund 120 Familieneinheiten der FSG Siegen an, wobei die Mitgliederzahl eine stetig ansteigende Tendenz aufweist. 

Aber wie sah es im Sommer 1953 aus, als der Verein gegründet wurde ? Zunächst waren da nur ein paar Idealisten, die fast an einer Hand abzuzählen waren, an ihrer Spitze der damals 29-jährige Martin Jung (später 1. Vorsitzender der FSG Siegen) und Bernd Weßling, damals 45 Jahre alt.  Sie gründeten zusammen mit fünf anderen Interessenten den "Bund für freie Lebensgemeinschaft Siegen (BffL Siegen). 

Beflügelt von einem ungestümen Tatendrang gelang es diesem Häuflein der sieben FKK-Aufrechten bereits im folgenden Jahr, im südlichen Siegerland eine versteckte Waldwiese pachtweise zu erwerben.  Aber schon ein Jahr später, 1955, war es aus mit der jungen FKK-Herrlichkeit.  Als der Jagdaufseher dieses Geländes in einem der Autos der FKK-Getreuen ein Jagdgewehr erblickte, das obendrein noch einem Zunftkollegen, einem Oberforstmeister, gehörte (der aber aus verständlichen Gründen seine Identität nicht lüften konnte), war der Fall für den Aufseher klar: bei den vermeintlichen Nacktbadern konnte es sich nur um Wilderer handeln.  Der aufgebrachte Grünrock sorgte umgehend dafür, daß die "Wilderer" auf Nimmerwiedersehen von der Wiese verschwinden mußten.  Nun folgte die schreckliche, die geländelose Zeit, die bis 1967 dauerte.

Noch einmal, 1956, glaubte man sich am Ziel der Wünsche, als nur etwa 10 Kilometer von Siegen entfernt ein geeignetes Grundstück, eine ehemalige Obstplantage, zu winken schien.  Eingedenk der unseligen Erfahrungen mit der hiesigen Mentalität hielt es die Vereinsführung für angebracht, bei der Vorbereitung zur Abfassung des Pachtvertrages die Gründe zu verschweigen, wofür man die Obstplantage nutzen wollte.  Aber die immerwährende Bürokratie deckte das Tarnmanöver alsbald auf und die örtliche  Presse entlud ein Gewitter über das Sodom und Gomorrha, was nicht ohne Folgen blieb.

Im BffL Siegen machte sich Resignation breit, hinzu kamen Streitigkeiten in der Vereinsführung, die Mitgliederzahl stagnierte, obwohl die FKK-Bewegung in jenen Jahren ihren ersten großen Auftrieb erhielt.  In den Jahren 1956 bis 1959 zählte der BffL Siegen etwa 20 Leute. 1962 waren es immerhin 30 Seelen, aber von einem bedeutsamen Mitgliederzuwachs war man noch weit entfernt.  Angesichts dieser Misere plädierten einige Mitglieder dafür, die leidige Geländesuche aufzugeben und sich zukünftig nur noch auf Geländebesuche bei benachbarten Vereinen, z.B. in Köln oder Gießen, zu beschränken.

Aber Martin Jung hielt die FKK-Fahne hoch.  Man inserierte weiterhin in der örtlichen Tagespresse nach geeigneten Grundstücken.  Unter der Flagge des Schmetterlingssammelns, seinem Hobby, einherfahrend, sich je nachdem auf die anzutreffenden Gegebenheiten einstellend, durchkreuzten Martin Jung und seine engste Anhängerschar das Siegerland von Nord nach Süd, von Ost nach West, immer auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für ein FKK-Gelände.

An die 50 bis 60 (!) Örtlichkeiten wurden an Sommerwochenenden in den Jahres 1956 bis 1967 besichtigt, aber immer war irgendein gewaltiger Haken dabei, der einen Geländeerwerb verhinderte.

Die Wende brachte 1967, jenes Jahr, in dem der Verein ohne einen Vorstand dastand.  Auf Grund bereits vorangegangener Kontakte bot der Vorsitzende einer Grundstücksgenossenschaft Martin Jung in der Nähe von Lützeln ein sumpfiges und morastiges, von Baumbeständen durchwachsenes Wiesengelände zum Kauf an.  Nun handelte Martin Jung auf eigene Faust; einen Vorstand, der ihm für den Geländeerwerb grünes Licht hätte geben können, gab es ja nicht.  Aber vor den Kauf hatten die Götter den Schweiß der Kontaktaufnahme mit den zahllosen Eigentümern der in Frage kommenden Gründstücksparzellen gesetzt. 

Endlich im Oktober 1967 war die es soweit, daß Martin Jung den notariellen Kaufvertrag für sein "Schmetterlingsterrain" mit möglichem Fischteich abschließen konnte.  Zum Preis von 75 Pf wurden die ersten 8000 qm erworben.  Schon im darauffolgenden Jahr nahm Bernd Weßling, der mittlerweile wieder den Vorsitz beim BffL Siegen übernommen hatte, weiteres Gelände in eigener Regie in Besitz.

Aber was tun mit so einem versauten, versumpften Gelände? Daß man im Verein darüber nicht einig war, brauchte nicht zu wundern.  Die Konsequenz war, daß ein Verein im Verein entstand, die Familiensportgemeinschaft (FSG) Siegen im BffL Siegen unter der Führung von Martin Jung, ein Zustand, der erst 1972 mit der Verschmelzung des Vereins im Verein zur FSG Siegen sein Ende fand.  Während die BffL-Leute anfänglich mehr zur Beschaulichkeit und zum Abwarten neigten. fühlten sich die Mannen um Martin Jung, wie weiland die Pioniere im Wilden Westen, dazu  berufen, das Land, sprich den gekauften Grund, urbar zu machen.  Damit war der Stein ins Rollen gebracht.

Unter großen finanziellen Opfern der Vereinsangehörigen (mancher stellte nicht nur seine ganze Arbeitskraft zur Verfügung, sondern half dem Verein mit großzügigen Darlehen und der Beschaffung von Arbeitsgeräten und Baumaterialien, wurden die einzelnen Stationen des Geländeaufbaus in Angriff genommen; damit einher ging die Vergrößerung des Areals bis zu seiner heutigen Ausdehnung, verbunden mit der allmählichen Überführung der von Jung und Weßling gekauften Grundstücke in den Besitz des Vereins.

Weitere wichtige Stationen beim Aufbau des Geländes:

1969/70 Aushub und Anlage eines Badeteichs. 1970 Eintragung ins Vereinsregister.  Einzäunen des Geländes, 1971 Errichtung erster sanitärer Anlagen, behördliche Legalisierung als FKK-Verein. 1972 grundlegende Entwässerung des Geländes. 1973 Volleyball-Platz, 1974 Baubeginn der Kläranlage und eines modernen Sanitär- und Waschhauses, 1975 Anschluß an das Stromnetz ...

Einsichtige Neulinge in der FSG Siegen, die um all diese Umstände wissen, wundern sich nicht, wenn an manchen lauschigen Sommerabenden die von der alten Garde vor ihren Wohnwagen sitzen und einer nach einer Pause des Sinnierens zuweilen anfangen : ”weißt Du noch damals als . . . ". Wahrlich, es gab viel anzupacken, und die Siegerländer FKKler packten kräftig zu.

Selbst wenn sich die FSG Siegen mit anderen gestandenen Vereinen und ihren Anlagen vielleicht nicht messen kann, so ist es doch mehr als eine verständliche Fügung, wenn der Verein anläßlich seines 25-jährigen Bestehens im Juni mit der Ausrichtung des Sportfestes des DFK Nordrhein-Westfalen auf Landesebene beauftragt wurde.  Der Weg in die Öffentlichkeit war und ist durch den Ablauf der vorangegangenen Jahre vorgezeichnet.

 

Weiterführung der Geschichte ab ca. 1980

Die folgenden Jahre waren geprägt durch das Bemühen des Vorstandes, insbesondere der Platzwarte, aus Nichts etwas zu machen. Geld war Anfang der 80-iger Jahre nämlich äußerst knapp.

Durch den Bau des Sportschwimmbeckens von 16.2/3 m Länge (ungefähr wie das alte Siegener Schwimmbad, das auch noch für Wettkämpfe zugelassen war) wurde der Verein auf Jahre in seinem finanziellen Spielraum sehr eingeengt. Nichtsdestotrotz, entgegen aller Anfang der 80-iger Jahre geäußerter Kritik an dieser Ausgabe, hätten wir ohne den damals sehr mutigen Entschluß des Vorstandes wohl noch lange einen Schlammtümpel zum Baden gehabt; so naturnah das auch gewesen sein mag, das heutige Schwimmbad ist dem gestiegenen Mitgliederaufkommen doch angemessener.

Nun ja, so mußte halt über Jahre repariert und gebaut werden, auf jeden Fall mit mehr Erfindungsgabe als Geld. Hier erwiesen sich einige Platzwarte als wahre Genies des kostengünstigen Wirtschaftens.

Bedingt durch eine lange Zeit, die mit der Fertigstellung des Schwimmbades finanziell ausgelastet war und darauf folgenden Großinvestitionen wie Kanalanschluß des Geländes (vorerst nur das Sanitärgebäude) und den Ausbau des Zufahrtsweges bis zur Hauptstraße konnte lange Zeit an den Bau eines Vereinsheimes nicht gedacht werden.

Der Kanalanschluß der einzelnen Stellplätze wurde 1986 in Regie der betroffenen Mitglieder durchgeführt und auch von diesen finanziell abgewickelt, so daß dem Verein keine Kosten entstanden. Zuerst schlossen sich die Stellplätze auf der sogenannten „Bullenwiese“ an den Kanal an; dann wollten auch der „Millionenhügel“ und das „neue Stück“ nicht zurückstehen. Damit sind heute fast alle Stellplätze mit Wasser- und Abwasseranschluß versehen.

Mitte der 80-iger Jahre wurde statt der sonst jeweils aufgestellten Festzelte beim Sanitärgebäude ein Zelt über einer festen Konstruktion jeweils zum Sommeranfang montiert, um beim Sport- und Sommerfest weniger wetterabhängig zu sein und die Arbeit des kurzfristigen Aufstellens des Zeltes auf dem Volleyballplatz, der zum Sportfest ja auch benötigt wurde, zu sparen. Trotzdem war es oft sehr kühl im Festzelt, da die Sommer im Siegerland ja nicht immer mit warmen Abenden locken.

So blieb Fernziel weiterhin der Bau eines festen Hauses, auch um sportliche Veranstaltungen endlich einmal in einem größeren Rahmen durchführen zu können. So war z.B. unsere Badminton-Gruppe oft zu Gast bei anderen Vereinen, konnte aber wegen der fehlenden Übernachtungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem Gelände nie selbst ein größeres Turnier ausrichten.

Anfang 1994 nahm nun endlich der Plan Gestalt an, unterhalb des Sanitärgebäudes ein Sportheim zu errichten (statt wie vorgesehen oberhalb, wo heute ein Grillplatz ist, um den es sehr schade gewesen wäre). Mit der Pfahlgründung der Fundamente im Herbst 1994 durch eine Spezialfirma (der Untergrund war so nicht bebaubar) begann unser Großprojekt und wurde im Frühjahr 95 mit dem Aufschlagen des Holzskeletts für das Fachwerk fortgeführt.

Ein Projekt dieser Größenordnung - ca. 120 m2 Nutzfläche - stellte an die Arbeitskraft des Vereins hohe Ansprüche. Durch wahrlich günstigen Einkauf des Materials für die Wände (prima abgewertetes Material!) konnten - völlig unvorhergesehen - bereits die Außenwände geschlossen werden, statt wie vorgesehen mit der alten Zeltleinwand bedeckt werden zu müssen.

Durch intensive Mitarbeit vieler Mitglieder und reichliche Sachspenden konnten außerdem bereits Fenster und Türen eingesetzt, der Fußboden verlegt und der Platz vor dem Sanitärgebäude und Sportheim angehoben und neu gepflastert werden. Alles in allem eine Arbeitsleistung, mit der NIEMAND gerechnet hatte und für die allen Beteiligten gedankt sei. So konnten wir 1995 erstmals unser Sommersportfest in einem (fast) kompletten Gebäude verbringen, in dem es zum ersten Mal keine automatische Lüftung mehr gab.

Als Vorstand der FSG und auch als Mitglied kann man sich nur herzlich bei allen Arbeitswilligen bedanken, vor allem jedoch bei den beiden unermüdlichen Platzwarten (oder könnte man auch „Sklaventreiber“ dazu sagen?), die es ermöglicht haben, diese ganzen Arbeiten weitestgehend ohne Einsatz von Fremdfirmen durchzuführen. Denn: nur auf dieser Basis ist es möglich, das Gelände der FSG in einem guten Zustand zu erhalten, ohne daß die Kosten für die Mitglieder zu hoch werden.

Wer die Kosten für die Unterhaltung von Sportanlagen für Gemeinde und Sportvereine, die solche betreiben, einmal ansieht, kann sich sicher auch ausmalen, daß die FSG mit ihren 60 aktiven Mitgliedseinheiten mit Stellplatz, 28 aktiven Mitgliedseinheiten ohne Stellplatz und 39 passiven Mitgliedseinheiten, d.h. insgesamt 356 Personen nicht solche Beträge aufbringen kann. Dies ist nur durch ehrenamtliche Arbeit unserer Mitglieder zu schaffen, um nicht unseren bevorzugten neuen Mitgliedern, jungen Familien mit Kindern, aus finanziellen Gründen eine Mitgliedschaft unmöglich zu machen. So werden wir auch weiterhin versuchen, mit bescheidenen Mitteln und viel gutem Willen und Arbeitseinsatz unser Gelände für die Nachfolgenden noch schöner und besser zu gestalten.

 

Familiensportgemeinschaft Siegen e.V., Sonnenwinkel, 57299 Burbach-Lützeln
FKK-Sport- und Freizeitgelände im südlichen Siegerland, im Dreiländer-Eck Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz - Gelände-Telefon: 02736 3166 - email: info@fsg-siegen.de

Website_Design_NetObjects_Fusion
logo_fsg
Banner FSG 2015 2000 breit